Zu früh gelobt

Herr Mosekund hatte eine Soiree be­sucht und war noch mit dem Ver­arbei­ten der zahl­rei­chen Ein­drücke be­schäf­tigt, als ein Be­kann­ter ihn an­sprach: »Wie an­regend, nicht wahr?«
»Gewiss«, antwortete Herr Mose­kund, »der Tag ins­ge­samt war sehr schön. Ich werde nun nach Hause gehen.«
»Oh«, entgegnete der Be­kannte, »man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Wie wäre es, wenn wir bei einem Bier noch ein wenig über das Ge­hörte dis­ku­tieren?«
Es wurde ein leidenschaft­licher Mei­nungs­aus­tausch mit einer be­trächt­lichen Wirts­haus­rech­nung, und beim Ab­schied rief Herr Mose­kund dem Be­kann­ten eupho­risch hin­ter­her: »Für­wahr, ein schö­ner Abend!«
Am darauffolgenden Morgen, als Herr Mose­kund er­wachte, fehlte ihm jede kon­krete Er­inne­rung; sein Schä­del war aus­ge­füllt von einem schwe­ren Dröh­nen. »Ach«, stöhnte er, »man soll auch den Abend nicht vor dem nächs­ten Tag loben.«

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