Waldesruh

»Diese Hektik in der Stadt«, be­klagte sich Herr Mose­kund bei einem Be­kann­ten, »man findet über­haupt keine Ruhe mehr. Alles ist so schnell und laut.«
»Dann kommen Sie doch einmal mit in den Wald«, schlug der Be­kannte vor, der in seiner Frei­zeit zur Jagd ging. »Dort sitzt man ein­fach nur und wartet und wartet.«

Ruhe im Wald: Ein Jäger-Hochsitz auf einer Lichtung im Nadelwald

Herr Mosekund nahm das An­ge­bot an, und so ver­brach­ten sie in aller Herr­gotts­frühe meh­rere an­ge­nehme Stun­den auf dem Hoch­sitz, in denen sie schwie­gen und nichts, aber auch gar nichts ge­schah.
Dann raschelte es im Ge­büsch, und ein Wild­schwein kam zum Vor­schein. Der Jäger riss sein Ge­wehr hoch und legte eilig an, doch Herr Mose­kund rief: »Ich rate drin­gend von einem Schnell­schuss ab!«
Das Wildschwein ver­schwand, der Jäger tobte. Herr Mose­kund emp­fahl ihm, seinen Blut­druck zu scho­nen, der Jäger tobte noch hef­tiger.
So ruhig, wie er behaup­tet hatte, dachte Herr Mose­kund, ist es im Wald nun auch wieder nicht.

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