Volles Programm

Einmal in der Woche kehrte Herr Mosekund in seiner Stammkneipe ein und setzte sich an die Denkbar, um einige gepflegte geistige Getränke einzunehmen. Er begann meist mit einem doppelten Habermas, ließ einen Feuerbach Uralt folgen, verzehrte zwischendurch ein Mythenschnitzel, begoss dieses mit einem Schierker Wittgenstein und einem Sartre on the Rocks. Als Absacker wählte er je nach Stimmungslage einen gekühlten Sloterdijk oder einen Schoppen Heidegger Spätlese – auf Kosten des Hauses natürlich und jedes Mal mit einem Leibniz-Keks zum Knabbern. Zu Hause angekommen, genehmigte er sich noch ein Gläschen Schopenhauer und gurgelte nach dem Zähneputzen mit einem Schluck Adorno.
Am nächsten Morgen fühlte er sich dann immer, als hätte er Nietzsches Autobiografie »Ecce homo. Wie man wird, was man ist« rückwärts gelesen. Aber das hätte er an einem Abend nie geschafft.

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