Seelsorge

Die Seele baumeln lassen: Eine einsame Parkbank auf der Wiese unterm grünen Blätterdach

Auf einer Parkbark entdeckte Herr Mose­kund einen Be­kann­ten, der reg­los, glück­selig und zu­gleich etwas blöd in die Natur glotzte.
»Geht es Ihnen gut?«, fragte Herr Mose­kund leicht be­sorgt.
»Ausgezeichnet sogar«, antwor­tete der Be­kannte. »Ich lasse gerade meine Seele bau­meln. Wun­der­bar!«
»Oh«, sagte Herr Mosekund mit sofort er­wachen­dem Inte­resse, »was muss man da tun?«
»Es ist ganz einfach«, erwiderte der Be­kannte. »Sie sitzen nur da, tun nichts und – beson­ders wich­tig – denken an nichts.«
Das lohnt einen Versuch, sagte sich Herr Mose­kund wage­mutig. Er hatte sich aller­dings kaum ge­setzt, als er schon spürte, wie sich die Ge­dan­ken kreuz und quer durch seinen Kopf wälz­ten. Er mühte sich, ihnen zu ent­fliehen, aus­zu­weichen, sich vor ihnen zu ver­stecken. Aber sie lauer­ten über­all. Es war eine Tortur.
Nach einigen verzweifelten Minu­ten sprang Herr Mose­kund auf, eilte nach Hause und ent­spannte sich bei Kants »Kritik der reinen Ver­nunft«.

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