Nichts für ungut

Herr Mosekund hatte mit einem Freund heftig über den Sinn des Wortes Unwetter gestritten. Dies sei, so hatte der Freund zunächst sachlich dargelegt, schon deshalb kein treffender Begriff, weil jedes sogenannte Unwetter auch – und vor allem, wie er betonte – ein Wetter sei. Unwetter, das sei so etwas wie sprachliche Antimaterie. Er war in Rage geraten, als Herr Mosekund diesen Standpunkt als Unsinn bezeichnete, und hatte versucht in einem kurzen philosophiegeschichtlichen Exkurs nachzuweisen, dass man höchstens von Widersinn sprechen könne.
Der Freund war an jenem Abend im Streit gegangen. Eine Woche später entschuldigte er sich bei Herrn Mosekund. Doch der war noch immer zu beleidigt, um zu verzeihen. Jeden Tag sprach der Freund wieder vor – bis sich Herr Mosekund endlich überwinden konnte: »Nun gut«, sagte er, »schließlich bin ich kein Unmensch.«

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