Über den Autor


Wolfgang Hübner Porträtzeichnung
Zeichnung: Christiane Pfohlmann

Wolfgang Hübner, stellver­tretender Chef­redakteur des »neuen deutsch­land«, bereichert die moderne Zeitungs­geschichte um eine über­raschende Wahrheit: dass nämlich just aus Chefredaktionen ein äußerst skurriler Geist über die Leserschaft kommen kann. Und dass tagesabhängig praktizierter Journalismus nicht unbedingt vor der Fähigkeit zum Aphorismus schützt. Auch nicht vor jener speziell erzählerischen oder dialogischen Form des Aphorismus, wie sie die Geschichten vom Herrn Mosekund bieten. […]

Wer schreibt, tut es nicht aus purer Lust, sondern auch aus Not. Es muss ein Befreiungswille hinter einem Text stehen. Ich habe es erlebt, wie Herr Wolfgang H., dieser Beleber des Herrn M., in Abständen aus der nd-Chefredaktion auftauchte, aus seinem zeitungstäglich umfangreichen Pflichtprogramm des Redigierens, Konzipierens, Kontrollierens, Dirigierens oder parteipolitisch geprägten Kommentierens, wie er leise das Ressort Feuilleton betrat, sich dem Tisch des verantwortlichen Redakteurs mit der Kunde näherte, ein »neuer Mosekund« stehe zur Drucklegung bereit (»der Tag steigt auf mit großer Kraft«, heißt es bei Enzensberger); ja, in dem Moment war Hübner nicht nur Hübner, nein, da stand eine Lustflotte unter Dampf. Es war, als habe H., einmal in der Woche, aus allen Leitungspapieren Segelschiffe gefaltet, da!, ein nächster Mosekund ist entstanden!, lächelte er uns entgegen, ein neuer Mosekund!, eben noch eine vage Stichwortexistenz auf zahllosen Zetteln, die ständig drohten, verloren zu gehen im Brieftaschenchaos.

Der Mensch ist mehrere Menschen in einem, auch bei Kollegen H. ist das so, und das Schreiben, selbst wenn es auf Tastaturen geschieht, bleibt mitunter doch eine Sache der Buntstifte, die unbedingt ausmalen müssen, was sonst leerer weißer Seelenfleck bliebe. So kam Herr Mosekund in die Welt: als wolle sich Herr H. selber wieder näherkommen – im vertrackten Denken, das ja beileibe nicht automatisch die Sache leitender Artikler in einem Tagesblatt ist. […]

Hans-Dieter Schütt im Vorwort zu »Mosekunds Merkzeugkasten«

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