In der Endlosschleife

Herr Mosekund wollte der Wissenschaft einen Dienst erweisen und beschloss, für die Nachwelt sein gesamtes restliches Leben zu dokumentieren. In seinem Wohnzimmer stellte er eine Kamera auf, die ohne Unterbrechung lief.
Bald schon wurde er neugierig und begann, die Aufnahmen anzuschauen. Irgendwann sah er zu seiner Überraschung sich selbst, wie er sein Leben anschaute. Auf der folgenden Kassette sah er, wie er im Sessel saß und sich anschaute, wie er auf einer Kassette sein Leben anschaute. Auf der nächsten Kassette sah er, wie er eine Kassette schaute, auf der er eine Kassette schaute, auf der sein Leben zu sehen war. Und so weiter.
Die Bilder, auf denen er noch einigermaßen jung gewesen war, wurden dabei immer kleiner. Herr Mosekund überlegte, was die Soziologen irgendwann daraus schlussfolgern würden, fand aber keine Antwort. Auf jeden Fall, sagte er sich, sind sie nicht zu beneiden.

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