Große Bühne

Vorausschauend hatte sich Herr Mose­kund im Fern­seh­pro­gramm die Aus­strah­lung einer anti­ken Tra­gi­komö­die auf dem The­ater­kanal an­ge­kreuzt. Als der Nach­mit­tag heran­ge­naht war, konnte er kaum einen Men­schen auf der Straße ent­decken, was ihn noch nicht ver­wun­derte. Dann aber, als die Hand­lung ihren Lauf nahm, hörte er aus den zahl­rei­chen, wegen der Som­mer­wärme ge­öff­ne­ten Fens­tern der Nach­barn deut­liche Zei­chen der Anteil­nahme. Sie seufz­ten, lach­ten, stöhn­ten, fluch­ten, schrien auf … Das ganze Haus, ja sogar das ge­samte Wohn­gebiet schien ge­bannt vor dem Bild­schirm zu sitzen. Nicht jede Gefühls­auf­wal­lung er­schien Herrn Mose­kund der Hand­lung an­ge­mes­sen – aber, sagte er sich, die Ge­schmä­cker sind nun mal ver­schie­den. Am Ende schließ­lich, als der dra­ma­tur­gi­sche Knoten nach vielen Wen­dun­gen glück­lich ge­löst war, jubel­ten die Men­schen, liefen ins Freie, schwenk­ten Fahnen und brach­ten pyro­tech­ni­sche Er­zeug­nisse zum Ein­satz.
Dass ich das noch er­leben darf, dachte Herr Mose­kund, ging auf den Balkon und ent­zün­dete ge­rührt eine Wun­der­kerze.

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