Dicke Luft

Herrn Mosekund stockte, als er die S-Bahn betrat, der Atem. Ein erdrückender Schwall menschlicher Ausdünstungen umfing ihn, und als er den einzigen weiteren Fahrgast als Ursache erkannt hatte, floh er ans andere Ende des Wagens. Doch nachdem der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, erhob sich der Mann. Zielstrebig kam er auf Herrn Mosekund zu, blieb dicht vor ihm stehen und hielt ihm wortlos eine Art Unterschriftenliste und einen Stift hin.
Herr Mosekund, der vorsorglich den Atem angehalten hatte, versuchte, den knappen Luftvorrat klug einzuteilen und den Mann zu ignorieren. Kurz vor einer akuten Sauerstoffunterversorgung des Gehirns schnappte er sich den Stift und unterschrieb in höchster Not, worauf der Mann ihm ein Kärtchen überreichte.
Die Bahn hielt, Herr Mosekund entwich ins Freie, und während er gierig durchatmete, las er die Karte: »Willkommen bei transpiration international!«
Oh ja, dachte Herr Mosekund, Schwitzigkeit kennt keine Grenzen.

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