Aus dem Häuschen

Als Herr Mosekund mitten in der Nacht von einem groß­artigen Ge­dan­ken aus dem Tief­schlaf ge­ris­sen wurde, war er davon so be­geis­tert, dass er be­schloss, sich zu einer Freu­den­bekun­dung auf die Straße zu be­geben. Er lief durch die men­schen­leere Stadt, ein phi­lo­so­phi­sches Fähn­chen schwen­kend, hier und da eine Wun­der­kerze ent­zün­dend und von Zeit zu Zeit laut­hals »Heureka!« skan­die­rend.

Heureka: Eine funkensprühende Wunderkerze in der Dunkelheit

»Was tun Sie da?«, fragte ihn streng ein Strei­fen­poli­zist.
»Ich veranstalte einen Freu­den­korso«, ant­wor­tete Herr Mose­kund.
»Ganz allein?«, fragte der Poli­zist miss­trau­isch.
Herr Mosekund nickte.
»Erstens«, erklärte der Beamte, »muss ein vor­schrifts­mäßi­ger Korso aus min­des­tens zwei Teil­neh­mern be­stehen. Zwei­tens darf er nicht ohne vor­herige An­mel­dung durch­ge­führt …«
»Aber«, gab Herr Mosekund zu be­den­ken, »das Cha­rak­te­ris­ti­sche eines Freu­den­kor­sos ist ja gerade, dass er spon­tan statt­fin­det. Wegen eines An­lasses, den man nicht planen kann. Bei­spiels­weise ein hoher Sieg im Fuß­ball.«
»Damit«, wetterte der Polizist, »wären wir bei drit­tens: Was haben Sie ge­rufen? ›Heureka‹ oder so?« Er zückte seinen WM-Planer und blät­terte darin, um dann fest­zu­stel­len: »Die spie­len ja gar nicht mit! Also auch noch grober Unfug.«
»Nein«, erwiderte Herr Mose­kund rasch, »es handelt sich um einen Ge­dan­ken, der mir kam. Ein Ge­danke von so außer­ge­wöhn­li­cher Strin­genz, dass ich nicht umhin konnte, ihn auf der Stelle ge­büh­rend …«
»Ein Gedanke? Um diese Uhrzeit?«, fragte der Poli­zist un­gläu­big. »Wel­cher denn?«
»Nun, also, ähm«, stammelte Herr Mose­kund und musste ein­ge­stehen, dass er den Ge­dan­ken in der Auf­regung ver­ges­sen hatte.
»Dann also auch noch Vor­täu­schung fal­scher Tatsachen«, konstatierte der Poli­zist und for­derte Herrn Mose­kund auf, ihn zur Auf­nahme eines Protokolls aufs Re­vier zu begleiten.
Herr Mosekund folgte ihm schwei­gend und ver­fluchte inner­lich seine fa­tale Im­pul­si­vität.

Schreib als Erster einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.