Auf Draht

Gelegentlich redete Herr Mose­kund leise vor sich hin, um seinen Gedan­ken besser folgen zu können. »Er ist etwa wirr«, sagten früher die Leute. Mit der Zeit stellte er erstaunt fest, dass er nicht der Einzige war: Immer mehr Men­schen auf der Straße sprachen mit sich selbst.
»Wie schön«, dachte Herr Mose­kund, »es wird wieder mehr gedacht!«
»Oh«, sagten nun die Leute, »Herr Mose­kund hat auch ein Handy, sogar mit Frei­sprech­einrich­tung.« Der eine oder andere fragte Herrn Mose­kund danach, denn sie wollten seine Technik sehen, die so modern und winzig sein musste, dass nichts davon zu ent­decken war.
»Aber nein«, wehrte Herr Mose­kund ab, »ich tele­fo­niere nicht!«
»Jetzt ist er auch noch hoch­näsig«, sagten die Leute.
Als Herr Mosekund davon erfuhr, war er betrübt. Von da an steckte er sich beim Aus­gehen einen Draht ins Ohr, dessen anderes Ende in der Jacken­tasche ver­schwand.
»Wussten wir’s doch«, sagten die Leute.

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